
bündeln im Verbundprojekt DILEMA-K ihre Kräfte, um Funktionskeramiken digital durchgängig zu beschreiben: vom Pulver bis
zum fertigen Bauteil. Der Zuschlag im dritten Förderaufruf der BMBF-Initiative MaterialDigital ist erteilt.
Kulmbach, im März 2025. Im jüngsten Förderaufruf der BMBF-Initiative MaterialDigital — gerichtet auf industriegeführte Verbundprojekte mit vollständiger Wertschöpfungskette — hat das Konsortium DILEMA-K den Zuschlag erhalten. Materialfokus: bleifreie Piezokeramiken auf BNT-BT-Basis (Bismut-Natrium-Titanat — Bariumtitanat) sowie NiCuZn-Weichferrite für die Multilayer-Induktoren-Fertigung. Zwei Materialklassen, die in Sensoren, Aktoren, Spulen und Mobilfunkkomponenten stecken — und die heute weitestgehend ohne durchgängige digitale Beschreibung produziert werden.
DILEMA-K bringt zum ersten Mal alle relevanten Akteure einer keramischen Wertschöpfungskette an einen Tisch: vier Hersteller liefern Pilotdaten und industrielle Validierung, vier IT-Partner — darunter das oberfränkische Ingenieurbüro Numberland als Ontologie- und Pipeline-Architekt — bauen die Werkzeuge, drei Forschungseinrichtungen sichern die wissenschaftliche Tiefe. Die Konsortialführung liegt beim industriellen Endanwender, wie es die BMBF-Förderlinie vorschreibt.
Im Zentrum steht eine durchgängige, maschinenlesbare Beschreibung der Prozesskette: Pulversynthese, Mahlung, Formgebung, Sinterung, Polung, Bauteilcharakterisierung. Jeder Schritt soll mit der OntoCrafter Ceramics Ontology - OCO erfasst werden — einem semantischen Datenmodell, das Numberland entwickelt und das mit PMDco, der gemeinsamen Sprache des MaterialDigital-Ökosystems, kompatibel ist.
Mit DILEMA-K wird die Funktionskeramik erstmals zum gleichberechtigten Gegenstand des MaterialDigital-Programms neben Metallen, Polymeren, Gläsern und Batteriematerialien. Eine Branche, die in jedem Smartphone, jedem Steuergerät, jedem Ultraschallsensor sichtbar wird — und die jetzt auch digital sichtbar gemacht werden soll.
„DILEMA-K ist nicht nur ein Förderprojekt. Es ist die Wette darauf, dass die deutsche Keramikindustrie ihre Datensouveränität ernst nimmt — bevor der nächste Lieferkettenschock oder die nächste Regulierung sie dazu zwingt. Wir bauen die Werkzeuge, mit denen Hersteller, Anwender und Forschung dieselbe Sprache sprechen."* — Dr. Wolfgang Grond, Gründer Numberland und IT-Partner im Konsortium
Zahlen, Daten, Fakten
- DILEMA-K: 11 Konsortialpartner
- Materialfokus: BNT-BT-Piezokeramik (RoHS-konform, bleifrei) und NiCuZn-Ferrite (LTCC-kompatibel)
- Förderlinie: MaterialDigital_3 (BMBF-Bekanntmachung 2023) — dritter Förderaufruf, industriegeführte Verbundprojekte
- Anwendungsbranchen: Automotive (Piezoinjektoren, Parksensoren), Konsumelektronik (MLCC, SAW-Filter), Industrie (Ultraschall, EMI-Filter)
- Numberland-Rolle: Ontologie- und Pipeline-Architekt, OCO als technologisches Rückgrat
Liste der Projektpartner:
- CeramTec GmbH, Plochingen
- Aixacct Systems GmbH, Aachen
- Numberland, Kulmbach
- HappyOps GmbH, München
- VIA Electronic GmbH, Hermsdorf
- KMS Technology Center GmbH, Schramberg-Waldmössingen
- SONOTEC GmbH, Halle (Saale)
- TRIDELTA Weichferrite GmbH, Hermsdorf
- TU Berlin, Berlin
- Fraunhofer IKTS, Dresden
- Ernst-Abbe-Hochschule, Jena