
Sie dockt an den europäischen Werkstoff-Datenraum an, den das European Materials Modelling Council (EMMC) und Horizon-Europe-
Partnerschaften wie IAM4EU und P4Planet aufbauen. Eine Verortung zum Europatag.
Kulmbach, im November 2025. Wenn am 9. Mai der Europatag begangen wird, lohnt ein Blick darauf, wie weit europäische Wissenschaftspolitik den Werkstoff-Bereich tatsächlich integriert hat. Die nüchterne Antwort: die Strukturen wachsen, aber sie sind noch jung. Das EMMC (European Materials Modelling Council), 2014 gegründet, koordiniert seit gut einem Jahrzehnt die Standardisierung von Materialmodellen — mit der EMMO als europäischer Eigenentwicklung einer Top-Level-Ontologie. Daneben hat die Europäische Kommission mehrere Material-relevante Horizon-Europe-Partnerschaften finanziert: IAM4EU mit 500 Millionen Euro für „Innovative Advanced Materials
for Europe" (2025–27), P4Planet mit 2,6 Milliarden Euro für die Dekarbonisierung der Prozessindustrie (2021–27), und das EIT RawMaterials
für die Versorgungssicherheit kritischer Rohstoffe.
Wie passt MaterialDigital in diese europäische Landschaft? Die deutsche Initiative versteht sich explizit als nationaler Beitrag zum europäischen Werkstoff-Datenraum. PMDco ist BFO-aligned und über IAOnto, ChEBI und QUDT in das internationale Ökosystem eingebettet. Mehrere MaterialDigital-Projekte arbeiten mit EU-Partnern zusammen — KupferDigital mit europäischen Kupferproduzenten, GlasDigital mit dem International Commission on Glass (ICG), DigiBatMat mit BattINFO. Die Brücken werden gebaut, aber sie sind noch dünn.
Das zentrale Problem ist nicht politisch, sondern technisch: die Werkzeuge der nationalen Initiativen sind nicht automatisch interoperabel
mit den europäischen Standards. PMDco und EMMO folgen unterschiedlichen philosophischen Grundannahmen. BFO und EMMO sind nicht direkt kompatibel. Eine deutsche Stahldigital-Ontologie kann ohne expliziten Mapping-Layer nicht mit einer französischen Eigenentwicklung sprechen. Die europäische Werkstoff-Souveränität, die alle politisch fordern, wird im Datenmodell entschieden.
Numberland positioniert sich in diesem Spannungsfeld als Brückenbauer. Die OCO ist BFO-aligned via PMDco und plant für die nächsten Jahre explizite Alignments zu EMMO-aligned Ontologien wie BattINFO und CHAMEO. Die Vision: ein europäischer Werkstoff-Wissensraum, in dem Forscher in Kulmbach Daten aus Eindhoven, Grenoble und Cambridge zusammenführen können — ohne dass jemand vorher manuell mappen muss.
„Werkstoff-Souveränität in Europa entscheidet sich an einer Schnittstelle, die niemand sieht: dem Mapping zwischen BFO und EMMO. Wer diese Brücke baut, baut die Grundlage für interoperable Materialdaten in ganz Europa. Solange die fehlt, bleiben alle nationalen Plattformen Inseln — auch die exzellenten." — Dr. Wolfgang Grond, Inhaber Numberland
Zahlen, Daten, Fakten
- EMMC (European Materials Modelling Council): seit 2014, Träger der EMMO als europäischer Top-Level-Ontologie
- Horizon-Europe-Partnerschaften: IAM4EU (€500 Mio, 2025–27), P4Planet (€2,6 Mrd, 2021–27), EIT RawMaterials (CRM)
- BFO-EMMO-Brücke: bisher nicht etabliert, mehrere Forschungsprojekte arbeiten daran
- MaterialDigital-Einbettung: PMDco BFO-aligned, über IAOnto, ChEBI, QUDT mit internationalem Ökosystem verbunden Numberland-Roadmap: BFO/PMDco-Anbindung etabliert, EMMO-Brücke in Planung für DILEMA-K-Anwendungsfälle